Nix lesen + nix kapieren = nix mehr Bibel?

Neulich hatte ich seit langem mal wieder die Ehre, in einer fünften Klasse eine Schulstunde mitgestalten zu dürfen. 60 Minuten sogar.

Mein Plan: In der ersten halben Stunde singe ich ein Lied, mache ein kurzes Spiel, damit sie mich kennen lernen und erzähle dann eine Geschichte vom Schlunz, die darauf hinausläuft, dass Schlunz eigentlich viel lieber Lukas sein möchte und Lukas viel lieber Schlunz. Und am Ende der Geschichte sagt Nele, dass es doch gut ist, dass jeder er selbst ist und dass doch jeder genau so, wie er ist, ein Original und ein Held ist.

Für die zweite Hälfte hab ich Kleingruppen eingeplant. Ich habe große Blätter mitgebracht, auf denen ein Teil der Schlunzgeschichte als Comic abgedruckt ist plus ein Bibeltext: „Jesus segnet die Kinder“ (Lukas 18,15-17). Die Kinder sollen auf die leere Rückseite als Überschrift schreiben: „Das bin ich“ und dann darunter schreiben oder malen, warum sie selbst toll und heldenhaft sind. Dann sollen sie sich in der Kleingruppe darüber austauschen.

Zeitfaktor: 5 Minuten überlegen und schreiben, fünf Minuten austauschen.

Anschließend sollen sie miteinander den Bibeltext lesen (in einer Schulbibel oder auf dem Blatt) und darüber austauschen: „Was fand ich gut? Was fand ich nicht gut? Was will ich mir merken? Was hab ich nicht kapiert?“ Und so weiter. Am liebsten sogar mit der Frage: „Was sagt mir diese Geschichte, in der Jesus die Kinder wertschätzt, in Bezug auf mein Bild über mich oder das Verhältnis von Jesus zu mir? Bin ich vielleicht auch für Jesus ein Held?“ Als spielerische Methode hab ich verschiedene Kärtchen ausgeteilt, auf denen neben Schlunzbildchen diese Fragen notiert sind. Zeitfaktor: 5 Minuten Bibellesen, 10 Minuten austauschen. Bleiben noch 5 Minuten, in denen sie das große Blatt in der Mitte knicken und mit einem weiteren großen geknickten Blatt ein „Heft“ daraus erstellen können: ein Mini-Comicheft mit eigener Kommentierung sozusagen.

So weit, so naiv.

Ob die Kinder an diesem Vormittag etwas gelernt haben, kann ich nicht sagen. Aber ich hab hier als alter Mann kurz vor 60 einiges gelernt:

  1. Fünftklässler (zumindest diese) können bzw. wollen nicht singen. Als ich mit der Gitarre ein Lied angestimmt habe und sie aufforderte mitzusingen, schauten die mich an, als hätte ich sie gerade mit Benzin übergossen und würde sie nun bitten, ein Streichholz zu entzünden. Nach ein bis zwei Versuchen hab ich die Gitarre weggepackt, damit sie merken: Ich will sie nicht töten.
  2. Wenn ich ihnen ein DIN A3 Blatt gebe und sie auffordere, das in der Mitte zu falten und innen rein zu schreiben: „Das bin ich“, und dann darunter zu notieren, was sie gut können, was sie ausmacht, welche Hobbys sie haben usw., dann ist das eine totale Überforderung. Wenn man sich nicht in Kleingruppen neben jeden einzelnen gesetzt hat und gesagt hat: „Jetzt knicken“, dann haben die nach 15 Minuten immer noch vor einem leeren Blatt gesessen. Manche haben nach 15 Minuten lediglich die Buchstaben für „Das bin ich“ auf das Blatt gemalt. Andere konnte man im Einzelgespräch fragen: „Was kannst du denn gut?“ Schultern zucken. „Was sind denn deine Hobbys?“ – „Crossfahren.“ – „Ja, schön, dann schreib das doch schon mal auf.“ Fünf Minuten später: „Wie schreibt man Crossfahren?“ Andere blieben dabei: „Ich kann nichts.“
  3. Wenn ich sie dann auch noch bitte, einen kurzen Bibeltext (drei Verse!!) zu lesen, dann ist das eine noch größere Überforderung. Ich hab es ihnen dann schon gar nicht mehr zugemutet, Bibeln aus dem Regal zu holen und aufzuschlagen. Zum Glück gab es den Text auf dem Blatt. „Wer will denn mal vorlesen?“, frage ich in meiner Kleingruppe. Keiner. „Okay, dann les ich vor“, sag ich und kündige schon mal an: „Gleich will ich von euch wissen, was ihr daran gut fandet oder nicht.“ Nachdem ich zwei (von drei) Versen vorgelesen habe, höre ich, wie einer zu seinem Nachbarn flüstert: „Wie viel denn noch?“ Puh.
  4. Es gibt einzelne, die können lesen. Die wollen auch über den Text reden. Denen fällt auch etwas ein, was sie können. Die können auch schreiben. Aber die meisten starren Löcher in die Luft, kichern, quatschen mit den Nachbarn, kritzeln mit dem Kuli auf den Blatt herum, sitzen die Zeit mit dem Blatt und den Fragen einfach ab.

Und jetzt sitz ich da und frage mich (und euch): Was heißt das für unser Unterfangen, Kinder zum Bibellesen zu begeistern? Wie sollen wir Kinder, Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Eltern und all die anderen Menschen zum Bibellesesen, Bibel-Nachdenken, Bibel-Entdecken einladen, wenn wir damit nur Kinder mit einigermaßen hohem Bildungsniveau erreichen? Wie weit sollen/müssen wir unsere Bibellese-Methoden noch runterbrechen, vereinfachen, damit ein Kind, das schon überfordert ist, einen Bibeltext zu lesen und drei Wörter auf ein Blatt zu schreiben, trotzdem noch irgendwas mitnimmt? Sind damit auch all unsere Veranstaltungen, unsere Andachten, unsere erzählten biblischen Geschichten viel zu schwer, auch wenn wir denken, sie seien leicht? Denken wir immer und immer noch über die Köpfe der Kinder hinweg? Fragen über Fragen.

Also, ich fühl mich nach der Erfahrung dieser Schulstunde mal wieder einigermaßen ernüchtert. Und wir sehen: Es gibt einiges zu tun. Aber wir wollen uns dem stellen. Wenn nicht wir, wer dann?

Barti geht in Serie!

Mit der App Barti Bibel Biber versuchen wir ja schon seit drei Jahren, Kindern ein Angebot zu machen, mit dem sie spielerisch in der Bibel lesen können. In fünf Abenteuern steuern die Kinder auf dem Smartphone Barti, den Biber, durch die Weihnachtswelt, die Osterwelt, die Fußballwelt und weitere Barti-Welten. Sie sammeln Baumstämme ein und entdecken dabei ansprechende Bibeltexte.

Die neuen Abenteuer von Barti erreichen eine neue Dimension. Professor Berti Babelbuber, ein guter Freund von Barti Bibel Biber, hat ein Bibelprogramm programmiert, mit dem man sich in verschiedene Bibelwelten hineinprojizieren kann, um sie nachzuerleben. Leider hat irgendein Bösewicht einen gemeinen Virus in das Programm platziert. Jetzt droht zum Beispiel Ninive durch eine tickende Zeitbombe in die Luft zu fliegen. Schnell lässt sich Barti vom Professor in die Bibelwelt beamen, um Ninive und das Computerprogramm zu retten. Das geht aber nur, indem er sich Jona an die Fersen heftet und ihn auf seinem Weg vom Hafen über das Meer in den Bauch des Fisches bis nach Ninive begleitet. Er muss dabei Rätsel lösen, Hürden überwinden und eben Bibel lesen. Und die Kinder vor dem Smartphone natürlich auch.

Das Neue daran ist: Wenn Barti dieses Abenteuer überstanden hat, will der Professor ihn wieder zurückbeamen, aber das Computerprogramm hat schon wieder einen Fehler und Barti landet unfreiwillig auf Gideons Dreschplatz. Und im Hintergrund kommt eine Horde wild gewordener Midianiter auf ihn zugerannt. Barti erschrickt und … „Fortsetzung folgt“.

Das nächste Abenteuer erscheint dann ein Quartal später. Nämlich genau dann, wenn auch in Guter Start von Gideon und den Midianitern gelesen wird. Das ist der nächste Step, unseren Barti-Kindern eine Brücke zu Guter Start und damit zum regelmäßigen persönlichen Bibellesen zu bauen.

Wenn du also Kinder im Bibellese-Alter hast, die über das gedruckte Heft nicht zum Bibellesen zu begeistern sind, dann zeig ihnen die App Barti Bibel Biber, die wie immer kostenlos in jedem App-Store zu erhalten ist. Weitere Infos hier:

https://www.guterstart.net/blb/static/dist/gs/barti

Woher hat Kain seine Ehefrau?

Neulich bekam ich mal wieder eine sehr interessante Frage per Mail:

„Im Alten Testament wird erzählt, dass Kain Abel umgebracht hat und dann musste er in fremde Zivilisationen fliehen. Aber in der Bibel wird auch erzählt, dass Kain der erste Sohn von Adam war. Und ich frag mich jetzt: Wie konnte er in andere Zivilisationen fliehen, wenn er doch der erste Sohn von Adam war? Kann man dann noch dem Alten Testament vertrauen?“

Hier meine Antwort:

Lieber L.,

danke für deine Mail. Ich find es gut, dass du dich traust, deine Fragen zu stellen. Nur so können wir auch über die schwierigen Stellen der Bibel ins Gespräch kommen.

Gleich vorweg: Da ich die Geschichte von Kain und Abel nicht live miterlebt habe und die Bibel selbst keine Erklärung für deine Frage liefert, kann ich dir keine Antwort geben, von der du, ich und alle Bibelleser eindeutig sagen könnten: „Ja, stimmt. So war das.“ Ich kann nach ein paar Antwortmöglichkeiten suchen. Manche sind sehr einfach (und damit für manche Leute vielleicht zu einfach), manche sind etwas komplizierter, andere kommen dir vielleicht sehr weit hergeholt vor. Schau selbst, ob du findest, dass eine dieser Antworten passen könnte.

Aber erst mal ganz von vorne.

Die Geschichte, die du nennst, steht im Buch 1. Mose, Kapitel 4. In Vers 16 steht: „Kain musste aus der Nähe des HERRN weggehen. Er wohnte östlich von Eden (das ist der Garten, in dem das Paradies war) im Land Nod.“ Mehr steht da nicht. Kain musste also weit weg von Gott wohnen. Das heißt nicht, dass dort im Land Nod andere Menschen wohnten. Von einer Zivilisation steht hier nichts.

In Vers 14 sagt Kain allerdings, dass er Angst hat, irgendjemand könnte ihn töten. In Vers 15 macht Gott extra ein Zeichen an Kains Stirn, damit jeder sieht: Kain steht unter dem Schutz von Gott, niemand darf ihn ungestraft töten. Daraus kann man auf jeden Fall schließen, dass es außer Kain und seinen Eltern Adam und Eva doch noch andere Leute gegeben hat.

Noch interessanter ist da Vers 17: „Kain schlief mit seiner Frau, da wurde sie schwanger.“

Woher kommt plötzlich diese Frau? Und woher kommen die anderen Leute, die Kain nicht umringen dürfen? Wenn Adam und Eva die ersten Menschen waren, Kain und Abel deren bisher einzigen Kinder und Abel war schon tot, dann müssten genau drei Menschen übrig bleiben. Ich nehme an, genau darauf zielt deine Frage ab. Richtig?

Was mir auffällt: Den, der diese Geschichte erzählt und aufgeschrieben hat, scheint das alles gar nicht zu wundern. Für ihn scheint das kein Problem zu sein. Sonst hätte er es für seine Leser sicher erklärt, oder?

Vielleicht hat er sich gedacht: Gott hat Adam und Eva aus Erde gemacht – selbstverständlich kann er noch mal eine Frau für Kain machen. Aus Erde, aus einer Rippe – wie auch immer. Gott ist Gott. Er kann alles.

Oder er hat gedacht: Adam hat ja außer Kain und Abel noch mehr Söhne und Töchter bekommen. Das steht sogar in Kapitel 5, Vers 4. Und wenn die Leute damals 900 Jahre alt wurden (wie es auch in Kapitel 5, Vers 5 steht), können sie sehr, sehr viele Kinder bekommen. Dann kann Adam innerhalb von 800 Jahren alleine so viele Kinder bekommen, dass ganze Völker daraus entstehen konnten. Und wenn seine Kinder und Enkel auch jeweils 900 Jahre alt wurden, hatten sie auch sehr viel Zeit und viele Möglichkeiten, um sehr viele Kinder zu bekommen. Ganze Völker. Und dann ist es auch nichts so Krasses, wenn ein Mann mit 200 Jahren eine Frau mit 100 Jahren heiratet. Klingt für uns unglaublich, aber wir wissen ja heute nicht, wie die Welt damals aussah, was damals möglich war und was nicht. Gerade wenn eine Welt neu entsteht, könnte es sein, dass die ersten Menschen besonders viele Kinder, Enkel und Urenkel bekommen haben. Warum nicht?

Vielleicht hat der Erzähler auch viel einfacher gedacht: Gott ist so mächtig, er hat aus nichts eine Erde gemacht, er hat aus nichts das Meer, das Land, die Pflanzen und die Tiere gemacht. Und das nur, indem er es gesagt hat. Dann ist es für ihn nur eine Kleinigkeit, einfach mal ein ganzes Volk zu machen. Oder?

Oder er hat gedacht: Adam und Eva waren die ersten und einzigen Menschen im Paradies. Das Paradies mussten sie verlassen und danach lebten sie auf der Erde, wo bereits andere Völker waren.

Oder: In der Geschichte von Adam und Eva schauen Leser wir uns ein einziges Ehepaar näher an, obwohl es vielleicht schon mehrere gegeben hat. Und an diesem einen Ehepaar sehen wir: Oh weh, sie haben nicht auf Gott gehört, sondern auf die Schlange. Gleichzeitig merken wir: Ein bisschen von Adam und Eva steckt in uns allen. Wir alle hören nicht auf Gott. Wir hören auf die fremde Stimme (in uns), die uns sagt: „Gott hat nicht recht! Mach, was du willst! Gott meint es nicht gut!“ Und wir alle müssten raus aus dem Paradies. Darum leben wir alle in einer Welt ohne Paradies. Wir haben zwar nur Adam und Eva kennengelernt, aber es ist eigentlich die Geschichte von allen Menschen. Darum hat es vielleicht auch damals schon viele Menschen gegeben, aber nur zwei davon kommen in der Geschichte vor.

Kann sein. Muss aber nicht.

Oder er hat über diese Frage gar nicht nachgedacht. Sondern er hat sich gesagt: Mir ist es ganz egal, woher die anderen Leute kommen. Denn ich will keine Geschichte darüber erzählen, wie sich die Menschen vermehrt haben. Sondern ich will erzählen, wie der Mensch ist: Er ist von Gott geschaffen, er ist von Gott geliebt, aber er ist auch stur und eigensinnig. Er misstraut Gott, er belügt Gott. Er beschuldigt seine Mitmenschen. Und er ist in der Lage, seinen eigenen Bruder umzubringen. Obwohl der Mensch von Gott gemacht ist, ist er so brutal. Schlimm. Von Anfang an ist ein Riss zwischen Gott und Mensch. Und der Mensch muss aus dieser schlimmen Lage erlöst werden. Um das zu erzählen, muss ich nicht erklären, woher die Ehefrau von Kain kommt. Sie war einfach da und mich interessiert nicht, woher sie kommt. Gott weiß es.

Noch einmal: Weil ich nicht selbst dabei war, weiß ich auch nicht, woher Kain seine Frau hatte oder woher die anderen Zivilisationen kamen. Was ich hier aufgezählt habe, sind mögliche Antworten, die zeigen: Es gibt viele Wege, um einen Satz der Bibel zu erklären. Alle könnten ein bisschen richtig sein. Aber genau weiß ich es nicht. Trotzdem vertraue ich der Bibel. Denn die Bibel möchte, wie gesagt, als wichtigste Botschaft zeigen, wie der Mensch ist und wie Gott ist. Und die Antwort darauf ist wahr. Auch wenn manch andere Frage nicht beantwortet wird.

Es gibt auch Leute, die sagen: Die Geschichten von Adam und Eva, Kain und Abel könnten auch Beispielgeschichten sein. Sie wurden aufgeschrieben, um uns etwas über Gott und den Menschen zu erzählen. Und nicht über die Entstehung der Menschen. Auch die Leute, die so denken, vertrauen dem Alten Testament. Sie sagen: Das, was da steht, ist wahr, weil es von uns Menschen handelt. Wie wir sind. Und wie Gott ist. Auch wenn die ersten Geschichten nicht in einem Geschichtsbuch stehen und auch nicht in einem Bio-Buch.

Und dann gibt es Leute, die sagen: „Das ist eh alles Quatsch.“ Diese Einstellung finde ich wirklich schade. Denn das, was in der Bibel steht, ist alles andere als Quatsch. Es ist sehr wichtig für uns. Denn Gott zeigt uns hier, wie sehr er uns liebt. Auch wenn wir so brutal und so eifersüchtig und so gemein sind. Gott möchte unser Freund sein und er möchte uns vergeben. Davon erfahren wir ganz besonders im Neuen Testament, wenn wir von Jesus lesen.

Ich weiß nicht, ob dir meine Antwort wirklich geholfen hat. Ich wünsche dir zumindest, dass du der Bibel weiterhin vertrauen kannst. Und dass du am allermeisten Gott vertrauen kannst. Und dass du Gott in der Bibel entdecken kannst. Und wie sehr er dich liebt. Auch wenn du nicht alle Fragen beantworten kannst. Wie du siehst, kann ich das auch nicht. Und ich vertraue Gott trotzdem.

Herzliche Grüße

dein Harry

Damals: Kinderfreizeit vor 30 Jahren

Anlässlich meines 30-jährigen Daseins beim Bibellesebund schau ich auch gerne mal zurück: Wie sehr hat sich die Zeit von damals bis heute weitergedreht? Und wo war die Zeit gar nicht so krass anders wie heute?

Im Sommer 1995 war ich das erste Mal auf der Kinderfreizeit in Plön. Hier noch zum Zuschauen und Mitmachen. Aber mit der klaren Option, dass ich diese Freizeit ab 1996 leiten soll, was ich auch bis 2019 ganz treu Jahr für Jahr gemacht habe.

Aber schon 1995 habe ich in meinem Monatsbericht über die Freizeit in Plön geschrieben:

Die Kinderfreizeit ist eine echte Herausforderung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden ein tolles Team. Alle gewinnen alle Kinder sehr lieb. Und gerade deswegen müssen wir immer härter durchgreifen. Ich erschrecke, wie wenig gruppenfähig die Kinder sind. Konflikte werden ganz oft über die Mitarbeiter ausgetragen. Ständig wird „gepetzt“ („Der hat dies gemacht!“, „Die hat mich geschlagen!“)

Manchmal merke ich, wir sind in unserer Kompetenz der Betreuung begrenzt. Eigentlich gehört auf diese Freizeit ein Kindertherapeut. Der Küchenmitarbeiter meint zwar, da hätten sie schon schlimmere Kinder gehabt und überhaupt sei es immer ein bisschen chaotisch, aber ich selbst habe noch nie so viele Kinder in so massiven inneren und äußeren Nöten gesehen.

Folgendes wurde mir in dieser Zeit deutlich. Die Kinder der 90er Jahre sind mehr denn je Individualisten. Sie bringen ihre individuellen Familienprobleme mit. Sie haben ihre individuelle Geschichte. Jede ist individuell traurig. Wir müssen sie mehr denn je individuell betrachten und behandeln.

Heute, 30 Jahre später, sage ich: Die Kinder hatten auch schon vor hundert und tausend Jahren ihre individuelle Geschichte. Trat sie damals nicht so zum Vorschein? Wurden Kinder eher als „große Masse“ gesehen? Wollten die Kinder vielleicht sogar bewusst in der großen Masse verschwinden und gar nicht auffallen?

Zumindest finde ich interessant, dass das Phänomen der Individualisierung keine neue Erscheinung ist. Und dass auch damals schon jedes einzelne Kind nach ganz persönlicher Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Hilfestellung geschrien hat. Offensichtlich haben sie sie bekommen, denn ich schreibe auch in meinem Monatsbericht im Juli 1995:

Da die Kinder sich aber gleich sehr ernst genommen fühlen, halten sie unsere Ge- und Verbote sehr gut ein. Trotz Chaos sind sie sehr empfänglich für christliche Inhalte. Weniger in der großen Gruppe bei Bibelarbeiten, als vielmehr im so genannten „Flüsterviertelstündchen“ auf den Zimmern kurz vor der Nachtruhe mit ihrem Mitarbeiter.“

Wie viel mehr trifft das heute zu: Individuelle Kinder brauchen individuelle Behandlung. Das können wir in unseren Kindergruppen so nicht leisten. Aber wir können trotzdem genau hinschauen: Warum ist Sophie an jenem Punkt so empfindlich? Warum tickt Jonas bei genau diesem Spiel so aus? Und dass unsere christlichen Botschaften besser andocken, wenn sie im kleinen Kreis erzählt und persönlich bezeugt werden, als wenn man sie nach dem Gießkannenprinzip in der großen Gruppe allen gleichermaßen austeilt, ist heute auch keine Überraschung mehr. Auch das geht nicht immer. Aber es geht öfter, als wir uns das im Gruppenalltag zutrauen.

Die Welt vor 30 Jahren war also gar nicht so krass anders als heute.

Fortsetzung folgt …

30 Jahre Bibellesebund

Kaum zu glauben. In diesem April bin ich bereits 30 Jahre Teil der Bibellesebund-Familie. Angefangen 1995 als Reisesekretär für die Arbeit mit Kindern.

Hier mein damaliges Bewerbungsfoto.

Ab 1998 Redakteur der Bibellese-Zeitschrift „Guter Start“:

Hier die erste Ausgabe unter meiner Federführung. Gleichzeitig die erste Ausgabe in DIN A5 und bunt mit Lena, Lars und Kasimir als Comicfiguren.

Ab 2007 im Schlunz-Fieber:

Erscheinung des ersten Bandes beim Bibellesebund-Jubiläum am 5. Mai 2007

Es folgen Hörspiele, Hausaufgabenhefte, Schlunz-Survival-Bücher, Lesungen, Abenteuertage und eine eigene Verfilmung!

Zwischendurch biblische Geschichten mit Küchengeräten erzählen als Koch bei „Schlafschaf TV“

25 Jahre lang Freizeiten in Plön, Kinderprogramm am Nordseestrand, Kinderbibeltage in Gemeinden, Schulungen und so weiter. Zwischendurch immer wieder die Frage: Gibt es ein Leben nach dem Bibellesebund?

Und siehe da: Bis jetzt nicht. Denn immer, wenn sich ein Bereich als nicht mehr haltbar herausgestellt hat, hat der Bibellesebund mir neue Möglichkeiten geboten mich einzubringen. Sei es in Form von Büchern, Filmen, Theater, Handpuppen, Zaubern, Lesen, Arbeitsmaterial und so weiter. Das war schon grandios. Und ich bin dem Bibellesebund unglaublich dankbar dafür.

Heute darf ich das Kinderteam, bestehend aus fröhlichen, motivierten, begabten, kreativen Referentinnen und Referenten leiten. Und wieder bin ich mega dankbar.

Und ich bin gespannt, was wir noch alles aushecken, um Kinder mit der besten Nachricht vertraut zu machen: Dass Gott sie liebt, dass Jesus einen Neuanfang ermöglicht hat, dass es Grund zur Hoffnung gibt, dass am Ende alles gut wird.

Kleinen Einblick gefällig? Hier eine Zusammenfassung mit Ausschnitten, die möglichst in meinem 25-Jahre-Film nicht auch schon enthalten waren:

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30 Jahre zusammengefasst in 15 Minuten

Und wem das noch nicht reicht: Vor 5 Jahren hab ich anlässlich von 25 Jahren Bibellesebund schon mal ein bisschen was zusammengestellt:

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25 Jahre Bibellesebund in 12,5 Minuten …

Hab keine Angst

„Und wenn ich das nicht schaffe?“ Das elfjährige Mädchen, das vor mir saß, bekam es etwas mit der Angst zu tun. Eigentlich hatten wir ein fröhliches Gespräch geführt. Das Mädchen war nicht als Baby getauft worden. Die Eltern wollten, dass es sich dann taufen lässt, wenn es selbst zu der Entscheidung gekommen wäre, als Christ leben zu wollen. Taufe als Zeichen von: „Ich möchte zu Jesus gehören.“ Und das war jetzt der Fall. Und darüber hatten sich alle gefreut. Die Eltern, das Mädchen und ich natürlich auch.

Wir hatten Bibelverse zur Taufe gelesen. Bibelverse zu einem Leben als Christ. Und das war der Moment, wo das Mädchen unsicher wurde. „Was ist, wenn ich kein guter Christ bin?“, fragte sie plötzlich. Und: „Was ist, wenn ich Gott enttäusche?“

Puh. Schwierige Fragen.

„Zuallererst ist deine Freundschaft mit Gott etwas Tolles“, versuchte ich zu erklären. „Gott liebt dich über alles. Er möchte mit dir zusammen sein. Er möchte dir zur Seite stehen, wenn es schwer wird. Und dass du das auch willst, ist etwas Wunderbares.“

Mir fiel Josua aus der Bibel ein. Der stand auch vor einer großen Aufgabe. Und er hatte sich gefragt: „Schaff ich das?“ Da machte Gott ihm Mut. „Sei mutig und stark“, sagte er ihm. „Geh mutig deinen Weg. Hab keine Angst! Ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, egal wo du auch bist.“

Für Josua war das eine tolle Ermutigung. Und ich erzählte dem Mädchen, das vor mir saß, davon. Und zeigte ihr diesen Vers. „Gott ist bei dir“, fasste ich zusammen. „Du darfst vorwärts gehen. Du darfst Fehler machen. Gott ist wahrscheinlich geduldiger mit dir als du selbst es bist.“

Das Mädchen nickte. Ich spürte, wie die Angst kleiner wurde. Und schließlich wurde genau dieser Vers zu ihrem Taufspruch.

Sei mutig und stark! Geh mutig deinen Weg. Hab keine Angst! Ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, egal wo du auch bist. (Josua 1,9)

Gott im Spiegel

Wenn Gott in den Spiegel schaut – was sieht er da? Dich.

Wow.

Okay, er sieht auch mich. Und meine Nachbarin. Und den frechen Jungen von der Bushaltestelle.

Obwohl wir beide uns gar nicht ähnlich sehen, hat er, als er dich und mich gemacht hat, etwas von sich in uns hineingelegt. Als er vorhatte, dich auf die Welt kommen zu lassen, hat er dich so gemacht, dass jeder direkt sehen kann: Wow, dieser Mensch ist ja so ähnlich wie Gott! So schön. So wertvoll. So einmalig. So besonders. Du kannst lachen. Du kannst lieben. Du kannst andere anlächeln. Du kannst helfen. Du kannst träumen. Du kannst dir den Himmel vorstellen. Du kannst vergeben. Alles das kann auch Gott. Er hat selbst Modell gestanden, als er dich gemacht hat.

Schade, dass das nicht alle so sehen. Schade, dass manche dich nicht ernst nehmen. Dass sie dich nicht schön finden. Dass sie dich nicht anlächeln. Dass sie nicht nett zu dir sind.

Das ändert aber nichts daran, dass du sowas wie ein Spiegelbild von Gott bist. Und dass du in Gottes Augen wunderschön und wertvoll bist. Und dass Gott sich jedes Mal wiedererkennt, wenn er dich sieht.

Sag dir das beim nächsten Mal, wenn du in den Spiegel schaust: „Hey! Schön, dich zu sehen! Du siehst ja fast aus wie Gott!“

Vielleicht verletzt es dich dann nicht mehr so sehr, wenn andere über dich lachen oder dich ausgrenzen.

Und vielleicht hilft es dir sogar, den frechen Jungen von der Bushaltestelle beim nächsten Mal mit anderen Augen zu sehen. Denn auch den hat Gott so gemacht, dass er ihm ähnlich ist. Auch wenn er schreit und beißt und blöde Sachen macht. Kaum zu glauben, oder? Vielleicht hat ihm noch nie jemand gesagt, wie wertvoll er eigentlich ist. Und wie viel Schönes von Gott in ihm steckt. Auch schade. Aber vielleicht bist du heute der erste Mensch, der ihn trotzdem anlächelt. Du weißt ja: Du lächelst fast so schön, wie Gott lächelt.

1 Mose 1,27: Gott schuf den Menschen zu seinem Bild.

Danke, Onkel Martin!

Onkel Martin erlebt gerade seine ganz persönliche Jungscharstunde bei Jesus. Oder seinen Seniorenkreis. Oder er genießt es einfach, seine Hilde bei bester Gesundheit wiederzutreffen und mit ihr im Himmel ohne Rollator und ohne Rollstuhl herumzuspazieren.

Onkel Martin ist nicht mein Onkel im familiären Sinne. Alle Männer über 40, die man damals in unserem Dorf beim Vornamen ansprechen durfte, wurden ehrfürchtig mit „Onkel“ betitelt. Auch alle in meiner Jungschar nannten ihn „Onkel Martin“.

Ein Schulfreund hatte mich in den 70er Jahren mit in die Jungschar gebracht. Onkel Martin hatte mich freundlich begrüßt und mich nach meinem Namen gefragt. Wir spielten Spiele, sangen Lieder, hörten etwas von Gott. Insgesamt gar nicht so doof, wie ich vorher befürchtet hatte.

Also ging ich eine Woche später mit meinem Schulfreund noch einmal hin.

„Hallo Harry“, wurde ich sofort begrüßt. Und als Onkel Martin Einladungszettel für eine Wochenendfreizeit an die anwesenden Jungs verteilte, die alle handschriftlich personalisiert waren, und ich einen mit den Anfangsworten: „Lieber Harry …“ bekam, war ich vollends beeindruckt. Dieser Mann hatte sich nicht nur von letzter Woche zu dieser Woche meinen Namen behalten. Er hatte mir auch schon beim zweiten Mal einen Brief mit meinem Namen in die Hand gedrückt, als gehörte ich schon immer dazu. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt höchstens zehn Jahre alt war, hab ich diese Mischung aus Wertschätzung, Annahme und Zugehörigkeit so stark empfunden, dass ich ab sofort wirklich dazu gehörte. Jede Woche stand ich auf der Matte. Die Jungschar gehörte zu meinem Leben bis zu meinem 13. Oder 14. Lebensjahr.

Außer Onkel Martin waren noch jede Menge andere Mitarbeiter da, die meisten zwischen 16 und Mitte zwanzig Jahre alt. Auch die hab ich geliebt und verehrt. Aber Onkel Martin stach mit seinem Glauben, seinem Leben, seiner Persönlichkeit doch noch mal deutlich raus.

Onkel Martin war jede Woche da. Jede Woche. Sogar in den Ferien. Onkel Martin hat zugehört. Onkel Martin hat nachgefragt. Onkel Martin hat sich interessiert. Onkel Martin hat riesige Spiele aus Holz gebaut. So viele, dass sie in einer riesigen Scheune lagerten. Onkel Martin hatte immer auch Ersatzprogramme in der Tasche für Nicht-Fußballer wie mich, sodass ich auch an Tagen, an denen alle anderen in der Jungschar Fußball spielten, meinen Spaß hatte.

Onkel Martin wusste, was ich mochte und was nicht. Er hatte sogar mitbekommen, dass meine jüngere Schwester zu Hause „schöne Steine“ sammelte (meistens Kieselsteinchen, die sie auf dem Nachhauseweg aus der Schule irgendwo am Wegesrand aufgesammelt hatte) und gab mir einmal glänzende Bergkristalle für sie mit, die er selbst in einem Bergstollen gefunden hatte.

Onkel Martin war Arbeitskollege von meinem Opa. Mein Opa hatte nicht viel für Pfarrer und andere fromme Typen übrig. Aber sobald die Sprache auf Onkel Martin kam, war er hellauf begeistert: „Auf den lass ich nix kommen! Das ist mal ein Christ, der seinen Glauben lebt!“

Onkel Martin hat von seinem Glauben erzählt. Von Gebetserhörungen. Von Bibelversen, die ihm wichtig waren. Von biblischen Personen, von Missionaren – manchmal auch als spannende Fortsetzungsgeschichten. Onkel Martin hat mir einmal eine Leseprobe von „Guter Start“ in die Hand gedrückt mit den Worten: „Schau mal, ich glaube, das könnte was für dich sein.“ Und so hab ich mit Bibellesen angefangen. Tag für Tag. Quartal für Quartal. Zuerst mit der Traubibel meiner Eltern, weil wir keine andere zu Hause hatten. Dann mit der ersten eigenen Bibel. Zusammen mit den Impulsen aus der Jungschar, den Versen aus der Bibel und dem vorbildlichen Christenleben von Onkel Martin wuchs in mir ein Glaube, der mir als Kind schon Mut und Hoffnung gegeben hat. Ich merkte, wie aus dem schüchternen, verklemmten Harry ein offener, fröhlicher Mensch wurde. Ich lernte, dass dieser Jesus, von dem in der Bibel erzählt wird, auch heute lebendig ist und denen zur Seite steht, die mit ihm befreundet sind. Und als Onkel Martin einmal davon erzählte, dass man mehr oder weniger ein „neues Leben“ anfangen – oder mehr noch: wiedergeboren werden kann, wenn man beschließt, ab sofort mit diesem Jesus zusammen durchs Leben gehen möchte, war der Entschluss für mich klar: Das möchte ich. Ich möchte mit diesem Jesus leben, der auch Onkel Martin und den anderen Mitarbeitern zur Seite steht. Und so hab ich eines Tages mit Onkel Martin in der kleinen Küche hinter dem Jungscharraum gesessen und gebetet. Und im Gebet zu Jesus gesagt, dass ich mit ihm leben möchte. Und Onkel Martin hat auch gebetet und für mich gedankt. Anschließend hat er zu mir gesagt: „Ab jetzt gehörst du zu Jesus. Jesus selbst passt auf dich auf. Und niemand kann dich von ihm wegreißen.“ Ein Auftrag gab es direkt dazu: „Das soll nicht geheim bleiben. Du solltest das als erstes deinen Freunden und deinen Eltern erzählen.“ Das hab ich natürlich ganz brav erledigt, auch wenn mir dabei ganz schön die Knie schlotterten.

Später war ich dann selbst Mitarbeiter in einer Jungschar. Immer wieder. Auch an den verschiedenen Orten, an denen ich im Laufe von Zivildienst und Studium gewohnt habe. Und obwohl ich längst keinen Kontakt zu Onkel Martin mehr hatte und der auch schon gar nicht mehr in dem Dorf wohnte, in dem ich groß geworden bin, war er stets mein großes Vorbild. „Wenn ich mal so Jungschar mache wie Onkel Martin, dann mach ich es richtig gut“, hab ich mir hin und wieder vor Augen geführt: Wenn ich die Kinder wertschätze. Wenn ich mir ihre Namen merke. Wenn ich mich für sie interessiere. Auch für ihren Hintergrund und ihre Familien. Für ihre Hobbys und Vorlieben. Wenn ich sie ernst nehme, wenn ich ihnen zuhöre. Wenn sie dabei sein dürfen, auch wenn sie die vorgeschlagenen Spiele nicht spielen möchten. Wenn ich ihnen Mut mache, wenn sie Angst haben. Wenn ich mit ihnen und für sie bete. Wenn ich mein Leben und meinen Glauben mit ihnen teile. Ohne Imperative, aber mit viel Herz.

Übrigens hab ich erst außerhalb meines Dorfes festgestellt, welch weitreichende Spuren Onkel Martin gelegt hat. In ganz Hessen, ja, beinahe in ganz Deutschland waren seine riesigen Holzspiele bekannt. Die große Scheune gegenüber vom Gemeindehaus diente als bundesweiter Spieleverleih. Wenn man mich fragte, woher ich gebürtig käme, musste ich nur sagen: „Aus dem Dorf, in dem Onkel Martin die Spiele verleiht.“

Irgendwann bin ich dann zum Bibellesebund gekommen. Und bald darauf war ich Redakteur von „Guter Start“, der Bibellese-Zeitschrift, die mir selbst die ersten Schritte ins Bibellesebund und in den Glauben an Jesus Christus beigebracht hatte. Nun war ich es, der den Kindern den Zugang zur Bibel herstellen durfte. Und ich hab es geliebt, besonders den Austausch mit den Leserinnen und Lesern, die mich mit Leserbriefen überschüttet haben. In einem Brief fragte mich eine Leserin aus Bayern: „Wie bist du eigentlich zum Glauben gekommen?“ Ich antwortete ihr und erzählte von meiner Jungschar, von „Guter Start“ und von der großen Rolle von Onkel Martin. Sie schrieb zurück: „Dieser Onkel Martin ist mein Opa! Er wohnt jetzt hier bei uns in Bayern!“

Hammer!

Ich hab im selben Sommer mit meiner Familie Onkel Martin besucht. Seitdem haben wir uns jedes Jahr zu Weihnachten eine Karte geschrieben. Und Onkel Martin hat Anteil an meinem Leben genommen. Die letzte Karte 2024 kam von seiner Tochter. Am 8. Dezember hat Gott Onkel Martin mit 90 Jahren zu sich geholt. Und ich bin immer noch sehr dankbar, in Onkel Martin so ein großes Vorbild und damit auch einen Wegbereiter für meinen Glauben und mein Leben haben zu dürfen. Danke, Onkel Martin!

Licht sein in einer dunklen Welt

Manchmal kommt mir Paulus vor wie ein Angeber: „Schaut her, so verhält man sich als guter Christ. Wir sind immer geduldig und voller Liebe, egal wie groß die Not ist …“ Ja, danke, großer unverwüstlicher Meister.

Als wir uns letzte Woche mit einem Abschnitt aus seinem Brief an die Korinther beschäftigt haben, kam uns genau dieser Teil, der uns sonst ein wenig nervt, plötzlich wie ein Statement der Aufrichtigkeit mitten in einer verrückten Welt der Ungerechtigkeit vor. Wie die Grundsatzerklärung von jemandem, der einen Unterschied machen will. Jetzt lasen sich die Zeilen: „Wir erweisen uns als Diener Gottes in Geduld, in Trübsal, in Nöten, in Ängsten“ und so weiter nicht mehr als: „Schaut her, so demütig sind wir“, sondern als: „Das ist unsere Basis. Unsere Haltung. So wollen wir als Christen wahrgenommen werden.“

Und wenn ich mir solch einen Bibeltext mit dieser Brille durchlese, hab ich plötzlich keinen christlichen Anforderungskatalog mehr vor Augen, der mich unter Druck setzt, sondern eine Leitlinie, die mir zeigt, welche Stellung ich als Christ in dieser Gesellschaft habe. Ich nehme wahr, dass Paulus nicht nur fromme Sprüche geklopft hat, sondern selbst einen eigenen Anspruch formuliert hat: einen Gegenpol darzustellen in einer Welt voller Angst und Verunsicherung. Und für ihn war das sicher auch kein Spaziergang. Ich glaube sogar, dass es ihn noch wesentlich härter getroffen hat als mich in meiner weitestgehend behüteten westlichen Welt. Aber er hat es laut postuliert, wie er in dieser Welt gesehen werden will. Und mir hilft es, diese „freiwillige Selbstverpflichtung“ für mich runterzubrechen und sie mir immer wieder vor Augen zu führen, hinter die Ohren zu schreiben, ins Herz zu tätowieren.

Darum haben wir das Postulat aus 2. Korinther 6,4-10 für uns so übersetzt:

Wir stehen hier als Gottes Teamplayer:

Wir halten durch, auch wenn es schwer wird.

Wir bleiben authentisch, verständnisvoll, freundlich, geduldig.

Wir lassen uns bei dem, was wir tun, vom Heiligen Geist leiten.

Wir lieben aufrichtig.

Wir bleiben ehrlich.

Gott gibt uns die Kraft dazu.

Unsere einzige Waffe ist unsere uneingeschränkte Fairness.

Und zwar egal, ob man uns lobt oder runterputzt.

Ob man gut oder schlecht hinter unserem Rücken über uns redet.

Auch wenn man denkt, wir hetzen Leute auf – wir bleiben bei dem, was wir als richtig erkannt haben.

Auch wenn man uns übersieht – wir wissen, wir sind von Gott gesehen und geachtet.

Auch wenn man uns am liebsten beseitigen würde – wir sind noch da.

Auch wenn man uns bewusst schikaniert – wir lassen uns nicht unterkriegen.

Auch wenn wir traurig und frustriert sind – wir haben jederzeit Grund zur Freude.

Auch wenn wir nicht viel zu geben haben – wir sind für andere eine Bereicherung.

Auch wenn wir uns selbst oft leer fühlen – wir haben alles, was wir brauchen. Gott hat uns reich gemacht.

Weck den David!

Zeig der Schnecke den Weg zur Arche!

Wiege Baby Isaak in deinen Armen!

Puste die Suppe von Esau!

Mach den schönen Mantel von Josef wieder sauber!

Finde Jesus in Jerusalem!

Hilf dem Kind, zu Jesus zu kommen!

Bei diesem Bilderbuch können kleine Kinder ab 2 Jahren in 15 Bibelgeschichten eintauchen und dabei aktiv mitmachen: klopfen, schütteln, suchen, rufen, streicheln – und immer gibt es etwas zu entdecken.

Die Illustrationen sind liebevoll von Alicia Gaupp erstellt worden.

Dem Mäxchen gefällt es zumindest, als ich ihm neulich daraus vorgelesen habe. Guckstu:

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