Darf der das? Dass der das darf …!

Des einen Freud, des anderen Leid: Gruseln am 31. Oktober

Bald ist wieder Halloween und schon stehen sich wieder die Christengeschmäcker gegenüber. Die einen, die sagen: “Lasst doch die Kinder mit dem Stoffbeutel durch die Straßen ziehen und ein paar Süßigkeiten einsammeln. Ist doch nix dabei. Und Maske? Jo, tragen sie im Moment sowieso. Da fällt die Monstermaske gar nicht mehr auf.” Die anderen halten dagegen: “Halloween geht gar nicht! Da haben ganz früher mal die heidnischen Kelten Opfer für die Geister gebracht und damit wollen wir nichts zu tun haben.” Und dann haben beide Parteien auch noch Bibelstellen im Köcher, mit denen sie die jeweils anderen beschießen können. Und schließlich landet die Frage bei mir und anderen hauptamtlichen Christen, “die es ja wissen müssen”: “Was darf ich als Christ?”

Alles ist dir erlaubt”, hat Paulus mal ausdrücklich den Korinthern zugestanden, “aber nicht alles dient wirklich zum Guten.” (1. Korinther 10,23)

Toll. Damit sind wir genauso schlau wie vorher. “Alles ist erlaubt”: Juhuu! Alle Kinder mit der Teufelsmaske raus auf die Gasse und Blut-Bonbons lutschen! “Nicht alles dient zum Guten.” Also, Kinder: Wieder reinkommen. Denn die Bonbons dienen nicht zum Guten. Und Teufelsmasken schon mal gar nicht.

Danke, Paulus, für die “Mach-doch-was-du-willst”-Aussage. “Das muss jeder selbst wissen”, höre ich immer wieder. Damit sind wir Christen fein raus und wir müssen andere nicht beschulmeistern. Ja, manches müssen wir vielleicht tatsächlich selbst wissen. Und selbst entscheiden. Aber gibt es da nicht auch Grenzen? Keiner würde einem Mörder sagen: “Ja, du, das musst du selbst wissen. Wenn du das mit deinem Glauben und deinem Gewissen vereinbaren kannst …”

“Solange es keinem anderen schadet”, ist die nächste Einschränkung, mit der man versucht, sich um eine eigene Positionierung zu drücken. Okay. Stehlen, töten, verprügeln, mobben – so sachen stehen dann auf der Schwarzen Liste. Kann ich nachvollziehen. Das sehen auch Nichtchristen ein. Allerdings – streng genommen müsste dann auch der Einkauf bei Kik, H&M und Kollegen auch auf der Schwarzen Liste stehen. Denn die Produktion derer Klamotten schadet definitiv anderen Personen: nämlich denen, die sie unter unmenschlichen Bedingungen hestellen. Ach, das ist schon wieder zu extrem? Entschuldigung. Bleiben wir doch beim Positiven: Egal, welche Filme ich mir also reinziehe – ich schade keinem anderen. Egal, was ich lese, was ich esse und trinke, was ich rauche – es schadet keinem anderen. Dann kann ich auch an Halloween Gläserrücken spielen, Bonbons einsammeln, mich abends besaufen. Schadet keinem anderen (außer vielleicht denen, denen ich ins Auto kotze).

“Es darf auch dir persönlich nicht schaden”, kann man noch hinterherschieben. Na, so langsam kommt dann ja doch die Spaßbremse raus. Dann ist also doch nix mit rauchen, kiffen, Drogen. Genau genommen auch nix mit Alkohol. Und noch genauer genommen auch mit Fastfood, Süßigkeiten und einer Menge an Filmen, Serien ode PC-Spielen, die mich innerlich vergiften. Schon wieder zu extrem? Sorry. Ich wollte nicht persönlich werden.

Also, was bleibt denn dann noch? Was darf ich denn dann überhaupt (außer beten und Bibel lesen)? Darf ich denn gar nichts mehr, das Spaß macht? “Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist gut für dich” – das wirkt in diesem Zusammenhang zu schwammig und zu beliebig. Das kann jeder unterschiedlich auslegen, und dabei ist meistens die eigene Prägung die Richtschnur. Mehr noch als das Bibelverständnis. Meine Oma zum Beispiel hätte da eine ganz andere Definition gehabt von dem, was nicht gut für mich gewesen wäre, als ich. Für sie waren Jungs mit Ohrring, Hosen mit Löchern, Lederjacken, tanzen oder abends in die Kneipe gehen schon “nicht gut für dich”. Selbst ein unaufgeräumtes Kinderzimmer konnte sie geistlich deuten: “Da wäre der Heiland aber ganz traurig.”

Okay. Diese Extreme haben wir überwunden? Mag sein. Die Frage, die dahinter steht, aber nicht: Wo ist die gesetzliche Grenze für mich als Christ? Ab wann ist Gott (oder Jesus) sauer auf mich oder zerreißt mir gar meine vorreservierte Eintrittskarte für den Himmel?

“Darf ich als Christ auf Partys Alkohol trinken?”, sollte ich neulich während eines Jugendgottesdienstes beantworten. Tja, was soll ich da antworten? Ein Bier ja, ein Kasten nein? “Darf ich als Christ ‘Harry Potter’ lesen?”, haben mich vor 15 Jahren Kinder per Brief gefragt. Und die jugenlichen Christen fragen: “Darf ich rauchen?”, “Darf ich Gewaltfilme im Kino anschauen?” Später: “Darf ich vor der Ehe mit meiner Freundin … äh … fangen wir mal klein an … reden? Händchen halten? Küsschen? Richtiger Kuss? Schlafen? Zusammenziehen? Kinder haben?” Und eben jetzt wieder ganz konkret: “Wie sollen wir als Familie mit Halloween umgehen?”

Puh. Wo ist die Paragraphenliste aus der Bibel, in der ich das genau nachlesen kann: § 1: Fernsehen ja, Dieter Bohlen nein. § 2: Schwimmen gehen ja, Nacktschwimmen vielleicht, Sex im Schwimmbad nein. § 3: Halloween never!

Ja, wir Christen holen manchmal viel zu schnell die “Darfst-du-nicht”-Keule raus, ohne zu reflektieren, warum eigentlich. Und was für den einen Christ ein No-Go ist, ist für den anderen überhaupt kein Problem. Das kriegen wir auch nicht aufgelöst. Und das finde ich, ehrlich gesagt, das Befreiende am meiner Beziehung zu Christus, dass da nicht alle über einen Kamm geschoren werden, sondern dass die Grenzen und die persönlichen Empfindungen unterschiedlich sind – und sogar unterschiedlich sein dürfen. Für mich zum Beispiel ist ein Bier auf einer Party kein Poblem. Dreckige Witze über Außenstehende, Beleidigungen gegen den Glauben, andere Menschen bewusst ausschließen, demütigen und klein halten – das geht für mich gar nicht. Andere Christen würden da andere Punkte aufzählen.

Mit dem hier eingebetteten Film haben wir während des oben genannten Jugendgottesdienstes die Frage aufgeworfen: Ist das, was du tust oder nicht tust, nicht auch eine Frage nach deiner Beziehung zu Gott bzw. zu Jesus? Kann man die Frage nach dem “Was darf ich denn?” wirklich nur mit Gesetzen beantworten? Oder trage ich nicht als Christ in der Beziehung zu Jesus eine natürliche Intutition in mir und merke selbst, wenn ich Dinge tue, die ich eigentlich nicht mit meinem Glauben in Einklang bringe?

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“Eigentlich hat alles so gut mit uns beiden angefangen, Jesus. Aber jetzt fühle ich mich trotzdem wie im Gefängnis …”

So, und was heißt das jetzt für Halloween? Darf ich das? Darf mein Kind das?

Ich habe vor einigen Jahren hier im Blog mal ganz ausführlich mein Statement dazu dargelegt, warum ich Halloween nicht unterstützen möchte. Wer das noch nicht kennt, kann es HIER nachlesen.

Wer Kindern am 31. Oktober an der Haustür etwas in die Hand drücken möchte, das kein moralisches “Das-darfst-du-nicht-Kind” vemittelt und trotzdem das Für und Wider dieser finsteren Nacht behandelt, der findet HIER ein paar Produkte, die es beim Bibellesebund zu bestellen gibt.

Und schließlich möchte ich noch auf die Familienkirche von Mike Müllerbauer hinweisen. Der behandelt in seiner nächsten Ausgabe von “Kirche zu Hause – als Familie Gott erleben” (am kommenden Freitag, den 23. Oktober) genau dieses Thema: Womit du dich fütterst, das prägt dich. Was du in dich reinsteckst, das kommt auch raus. Und das ist etwas, das alle Lebensbereiche angeht. Nicht nur Halloween. Wenn du mitschauen willst, hier geht’s zum Kanal von Mike Müllerbauer:

https://www.youtube.com/user/mikemuellerbauer

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