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Okay Google … äh … Gott …

Neulich traf ich mich mit einem Freund zum Beten. Wir saßen im Garten, genossen die Sonne und breiteten mit geschlossenen Augen unsere Anliegen vor Gott aus: unsere Familien, unsere Gemeinden, der Druck der bevorstehenden Aufgaben, das Unverständnis über nicht besser werdende Krankheiten und so weiter. „Gott, was willst, du, das wir tun?“, beteten wir. Plötzlich hörten wir laut und deutlich eine Stimme, die uns antwortete: „Ich kann dir momentan leider nicht helfen, weil du nicht empfangsbereit bist.“

Erschrocken öffneten wir die Augen. Wer war da? Niemand zu sehen. Hatte Gott mit uns gesprochen? Wieso fand er, wir wären nicht empfangsbereit? Und vor allem: Wieso hatte Gott eine weibliche Stimme?

Eine Sekunde später brachen wir in schallendes Gelächter aus. Die Stimme war aus meiner Hose gekommen. Vielmehr aus meiner Hosentasche. Mein Smartphone hatte sich zu Wort gemeldet. Irgendwie schien ich im Gebet etwas gesagt zu haben, das sich für das geschulte Ohr meines Handys wie „Okay Google“ angehört hatte und es wurde somit aus dem Schlaf gerissen. Alles Weitere konnte meine smarte Miss Phone nicht verstehen, und da ich sowieso dort im Garten offline war, meldete sie mir das auch sofort zurück. Puh. Kleine Schrecksekunde.

Während wir weiterbeteten, begann mein Gedankenkarussell diesen kleinen Zwischenfall weiterzuspinnen: Mein Smartphone hört mir ständig zu (ob ich will oder nicht) und ist auch willens, mir Auskunft zu geben. Wenn ich aber im Offline-Modus bin, gibt es keinen Empfang. Da kann ich Mrs. Google noch so viel fragen – es kommt nichts zurück. Könnte es sein, dass der betende Harry Gott unentwegt die Ohren volljammert und seine Gebetsliste runter rattert, Anliegen formuliert und sich hier und da Besserung wünscht – aber nicht in der Lage ist, eine Antwort von Gott zu empfangen, weil irgendwas in seinem Inneren im Offline-Modus ist? Weil in seinem Kopf Gebet nur eine Einbahnstraße ist? Weil er redet wie in ein Mikrofon ohne Kopfhörer? Weil sein „Amen“ tatsächlich wie beim Schlunz so viel bedeutet wie „Ende der Durchsage“ und dabei überhaupt nicht einkalkuliert, dass ein Gespräch nicht nur aus Reden, sondern auch aus Hören besteht?

Seitdem beschäftigt mich dieser Gedanke immer mal wieder. Und ich habe mir vogenommen daraus zu lernen. Ich möchte Gebet als Beziehung leben. Nicht nur als telefonische Durchgabe meiner Bestellung. Ich möchte innerlich im Online-Modus bleiben. Offen für neue Gedanken. Den Blick geweitet für Perspektiven, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Eine Antwort erwartend auch aus Ecken, aus denen ich sie nie vermutet hätte. Ich glaube fest daran: Gott hat eine Antwort. Er kann weiterhelfen. Auch heute. Nur sollte ich emfpangsbereit sein. In diesem Sinne fang ich gleich an: „Okay, Gott …!“

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