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Härry Vooos und seine diversen Möglichkeiten, ihn auszusprechen

harry voß platz

Heute erreichte mich eine sehr interessante Nachricht, die ich gerne auch den andren Bloglesern vorstellen und meine Antwort teilen möchte:

Lieber Herr Voß,
meine Tochter Sarah hat für ihre Buchvorstellung in der 3. Klasse Ihren Schlunz ausgewählt.
Seitdem beschäftigt uns in der Familie, wie man Ihren Namen richtig ausspricht. Ich habe versprochen Ihnen eine Nachricht zu schicken. Heißen Sie Harry mit „a“ oder mit „ä“?
Und spricht man „Foß“ oder „Woß“? Langes „o“?
Oder kurzes „o“
Ich tippte auf „Foos“.
Herzliche Grüße aus Augsburg, hier sprechen wir eh ganz anders…
Sabine Schill und Sarah

Hier meine Antwort:

Liebe Familie Schill,

nicht nur ihr habt Schwierigkeiten, aus der Fülle der Aussprachenmöglichkeiten die richtige auszuwählen. Immer wieder staune ich, mit welcher Kreativität ich bei Lesungen oder anderen Veranstaltungen begrüßt werde.

Beginnen wir mit dem Vornamen: Eine der häufigsten Fragen, die mir bezüglich meines Namens gestellt werden, lautet: „Heißt du eigentlich wirklich Harry oder heißt du in echt Harald und Harry ist die Abkürzung?“ Meine Standart-Antwort lautet dann: „Ja, Harry ist eine Abkürzung. In echt heiße ich Haraldo Viktualio Rollgardino Schokominzo Efraimissohn Voß.“ Die ehrliche Antwort müsste lauten: „Ja, ich heiße wirklich und in echt Harry. Keine Abkürzung, kein Künstlername. Steht so im Pass.“ Aussprache: Harry könnte aus dem Englischen kommen. Dann würde es auch englisch ausgesprochen, wie „Harry Potter“. Das englische „Harry“ ist die Verniedlichung von „Henry“ und das ist die englische Version von „Heinrich“. Dann hieße ich quasi Heinrich. Harry wird aber deutsch ausgesprochen. Wie Harry Hirsch, Harry Valerien und Harry Belafonte. Die Annahme, man könnte Harry englisch aussprechen, ist überhaupt erst seit Harry Potter aufgekommen. Vorher kam niemand auf die Idee, es könnte englisch ausgesprochen werden. Neuerdings kommt niemand auf die Idee, es könnte deutsch ausgesprochen werden. Deutsch ist aber richtig. Also Harry mit A.

Der Nachname Voß (oder Voss, Vos) kommt aus dem Norddeutschen bzw. Niederländischen. Dort ist es das Wort für „Fuchs“. Meine Vorfahren werden also ziemlich fuchsig drauf gewesen sein. :-) Zu dem Namen bin ich gekommen, weil mein Großvater väterlicherseits aus Hamburg kommt. Dort ist „Voß“ ein sehr häufiger Nachname. Ausgesprochen wird es mit kurzem O. Wie in „Boss“ oder Schloss“. Vor der Rechtschreibreform Ende der 90iger ist das auch niemals infrage gestellt worden. Denn damals schrieb man auch noch „naß“, „Schloß“ und „Boß“ und hat es trotzdem richtig ausgesprochen. Aber heutzutage lautet die Regel: Vor einem scharfen ß wird der Vokal lang gesprochen (Straße, Fuß, Floß). Alle kurzen Vokale (nass, Schloss, Nuss) werden zur Verdeutlichung mit zwei S geschrieben. Dumm nur bei all den Eigennamen wie „Haßloch“, „Bißmann“, „Raßnitz“ oder auch „Voß“. Die müssten sich richtigerweise jetzt mit zwei S schreiben. Tun sie aber nicht. Stattdessen müssen sie ihre Aussprache jetzt immer erklären.

Besonders schlimm hat mein Name gelitten, als er mal in einem internationalen Heft abgedruckt wurde und man dort kein ß auf der Tastatur hatte und man sich behelfen wollte, indem man stattdessen ein großes B hingesetzt hat (sieht aus der Sicht eines Ausländers, der mit dem ß keinen Umgang hat, ja auch ähnlich aus). Das hatte zur Folge, dass ich von internationalen Kollegen mit „Mr. Vobb“ angesprochen wurde. Hm, dachte ich mir. Da ist Vooos ja noch harmloser.

Übrigens werde ich auch immer mal wieder darauf angesprochen, ob ich eine holländische Spedition besäße. Immer wieder werden große LKW aus den Niederlanden mit der fetten Aufschrift „VOS“ oder sogar „HARRY VOS“ gesichtet. „Klar“, sag ich dann. „Das ist mein Zweitjob. Damit unterstütze ich den Bibellesebund. Dass da VOS mit nur einem S auf dem LKW steht, liegt daran, dass mein kompletter Name nicht auf die Plane passte.“ Ist aber ein Scherz. Quasi gelogen. Mit dem Herrn Harry Vos aus Holland hab ich nichts zu tun. Weder verwandt, noch verschwägert.

Also.

Mein Name ist Harry Voß. Ja, ich heiße wirklich so. Mein Vater heißt Harald, der wurde in seiner Kindheit auch Harry (oder Harri??) genannt, in diesem Fall war Harry eine Abkürzung. Bei mir nicht. Harry wird mit A gesprochen. Wie in Knarre. Voß wird mit kurzem O gesprochen. Wie in Tross. Und ich entschuldige mich bei allen, die ich mit meinem Namen in phonetische Schwierigkeiten bringe. Aber die sind ab jetzt ja überwunden. Richtig?

4 Antworten auf “Härry Vooos und seine diversen Möglichkeiten, ihn auszusprechen”

  1. Heidi schreibt:

    Hallo Harry,
    ich dachte nicht, dass die Leute bei Deinem Namen so viel „falsch“ machen können. Doch Du hast schöne, plausible Erklärungen beschrieben. Danke :-)
    Krass, was Globalisierung und Rechtschreibreform auslösen…

    Eine Anekdote aus meinem Leben:
    Da in Deutschland alle, die den gleichen Nachnamen tragen wie ich, mit mir verwandt sind, erwähne ich ihn im Internet nur ungern. Doch soviel sei hier verraten, ich erlebe auch heute noch neue Varianten in der Schreibweise. Als ich damals – mit Anfang 20 – nach einem Arztbesuch mal eine Bescheigung brauchte, fragte die Sprechstundenhilfe 3x nach dem Nachnamen… dann buchstabierte ich ihn: „Schule, Anton, Ulrich, Berta,…“ OKAY. „Und jetzt Ihr Vorname?“ Ich sagte: „Heidi.“ Da meinte sie: „Oh, der ist ja viel einfacher.“
    So eine Reaktion war bisher einmalig.

    Ich freue mich auf Deinen nächsten Blog-Eintrag.
    Sonnige Grüße aus Mittelhessen
    von Heidi

    … und das ist (auch) keine Abkürzung 😉

  2. Harry schreibt:

    So ähnlich ging es mir als Kind mit meiner Mama beim Arzt. Die Sprechstundenhilfe hat auch die diversen Vor- und Nachnamen nicht auf die Reihe gekriegt.
    Mama: Ich bin hier mit meinem Sohn Harry.
    Sprechstundenhilfe (spannt Blatt in Schreibmaschine ein): Wie heißt denn Ihr Mann?
    Mama: Harald Voß.
    Sprechstundenhilfe: Okay, Herbert Voß.
    Mama: Nein, Harald.
    Sprechstundenhilfe: Ach, Habert?
    Mama: Nein, HAARAAALDD!!
    Sprechstundenhilfe: Ach so. (tippt. Anschließend:) Und was hat jetzt der Markus?
    Mama: Wieso Markus? Der heißt Harry.
    Sprechstundenhilfe (will schon das mehrfach übertippte Blatt aus der Schreibmaschine reißen): Was?? Ihr Mann??
    Als wir alle schweißgebadet die Formalitäten erledigt haben, sehen wir zufällig im Sprechzimmer des Arztes, dass die gute Frau eingegeben hatte: „Harry Forst“. Also noch eine Schreibvariante, die ich oben noch gar nicht erwähnt hatte …

  3. Nickname schreibt:

    Ach nee 😂😂
    Harry Forst? Das es so viele Aussprachen gibt, tut mir echt leid für Sie.
    Ich hoffe das das Ihnen nichts Ausmacht(im Gegensatz zu mir🙃früher)

  4. Harry schreibt:

    Ich bin hart im Nehmen … 😉

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